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Proseminar: Grundzüge der Schreibgrammatik des Deutschen, Sommer 2018, Donnerstag 14 – 16 Uhr, S 3 RG, 209

 

Dieses Proseminar führt in die Grundlagen unserer Schreibgrammatik ein. Was eine Schreibgrammatik leistet, sehen Sie im Folgenden. Die Verschriftung einer gesprochenen Äußerung gebe ich in (1) in einer Form wieder, die einer Schreibtradition der römischen Antike (römische Capitalis und scriptio continua) nachempfunden ist. In (2) sehen Sie sie in ihrer aktuellen gegenwartssprachlichen Form:

(1) KENENSIDENAUSRUFAHDUGRUNENEUNEFRAGTEDERDOZENT

(2) „Kennen Sie den Ausruf ‚Ach, du grüne Neune!‘?“, fragte der Dozent.

(3) „Kennen Sie den Ausruf ‚Ach, du grüne Neune!‘?“, fragte der Dozent.

Die mit Rot markierten Stellen sind Ergebnisse unserer Schreibgrammatik. Zwei Fälle schneide ich kurz an: Das <K> wird produziert, weil der geschriebene Satz bzw. die geschriebene Äußerung mit der Großschreibung des ersten Buchstabens beginnt. Das zweite Komma erscheint, weil in einer subordinativen Verbindung zweier Sätze ein Komma gesetzt wird, das die beiden Valenzfürstentümer (von kennen und fragen) voneinander abgrenzt. Vor dem Komma wird nach links, nach dem Komma nach rechts integriert. Die Wirkung zeigt sich z. B. in Hans Schnee versprach nicht der Königin zu gehorchen, wo wir ohne Komma nicht wissen, was genau wohin zu integrieren ist (z. B. kennen wir ohne Komma den Bezugsbereich der Negation nicht)!

Nach einigen einführenden Betrachtungen zum Thema Schreibgrammatik werden wir uns ausgewählten Teilbereichen unserer Schreibgrammatik zuwenden. Ich werde Sie auch nach Ihren Interessen fragen. Prinzipiell kann alles aus meiner Schriftsystemvorlesung betrachtet werden (und falls Sie in dieser etwas vermissen, können wir ggf. auch das fehlende Thema besprechen), nur reicht ein Semester dazu nicht aus. Also werden wir auswählen.


1. Aktuelles

 Generell:   Die Klausur prüft den im Proseminar anhand des VL-Textes erarbeiteten Stoff (s. hier 2.1; bitte die VL-Abschnitte zu den im PS behandelten Phänomenen gut studieren)!

                        >> Lektüre VL-Abschnitte für die Klausur: Kap. 0; Kap. 1; Kap. 4 vor (also ohne) 4.1, 4.2 u. 4.3; Kap. 6; Kap. 8; Kap. 10.1 u. 10.2 (nur das Grundsätzliche); Kap. 14;

Kap. 16.3 (zum Thema Bindestrich!); Kap. 20; Kap. 21; Kap. 22; Kap. 23.1; Kap. 24.1; Kap. 25.4 <<

                     und das Kapitel 8 Wortschreibung aus der Grammatik von Peter Eisenberg (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1 Das Wort. 4. Aufl. 

                        >> Lektüre Eisenberg, Abschnitte aus Kapitel 8 für die Klausur: Kap. 8.1 (Graphematik und Orthographie), 8.2.2 (Korrespondenz …),

                                    in 8.3.1 die Abschnitte „Schärfungsgraphien“ und „Dehnungsgraphien“, 8.4 (Morph. Schreibungen), 8.5 (GZS), 8.6 (GKS) <<

                     Vergessen Sie die Materialien zu unseren ersten beiden Sitzungen (Einführung) bitte nicht für die Klausur!

                        Materialien für unsere erste(n zwei) Sitzung(en)

                        Vorlesungstext: Das deutsche Schriftsystem (Wolfgang Schindler)

 

- 5.7. GZS: Die Ableitungshilfen zu GS und ZS haben wir besprochen. Nun alles Gute für die Klausur am 12.7.!

- 29.06. Warum (e) und nicht Böh(e)? Es könnte an der Entlehnung liegen: Deutsch < Niederdeutsch bui, buy, böi < Niederländisch bui, weitere Herkunft ungeklärt. Zudem müsste man wissen, ob der Plural /bø:n/ oder /bø:.ən/ lautet. Falls auch der PL einsilbig wäre, gäbe es ohnehin kein silbeninitiales <h>. Auch der Status des <e> bei <Böe> ist genauer anzusehen. Ob das ein stummes regionales Dehnungs-<e> ist (vgl. Soest /zo:st/)? Oder entspricht es einem Schwa? Dann ist ein zweiphonemiges Substantiv schon mal selten, gar noch eines, das eine Umlautgraphie (<ö>) ohne „Grundstufe“ (<o>, *Bo(e)) enthält. Könnte das entlehnungsbedingt sein?

- 28.6. Heute: Noch ein paar Beispiele für die Kommasetzung, dann Getrennt- und Zusammenschreibung. Am 5.7. Abrundung GZS.

            Wie leiten wir uns GS bzw. ZS ab (statt Regeln --> Tests)?

- 26.6. Die Kommaregeln

- 15.6.  Am 14.6. haben wir teilweise die Kommaübungen diskutiert (Beispiele 1, 2, 5-7, 11-14). Das setzen wir am 21.6. fort. Wir werden mindestens noch

            die Beispiele 4, 8-10, 15 und 17 und 18-23 in Auswahl ansehen und dann die Kommagrammatik zusammenfassen.

            Am 21.6. oder am 28.6. spätestens gehen wir über zur GZS, vermutlich unser letztes Thema vor der Klausur.

7.6.      Die Sitzung haben wir noch für die GS bzw. GKS benötigt. Am 14.6. ggf. noch Diskussion der GKS-Resultats (4 Klassen),

            dann nach Ihrem Wunsch GZS > Komma oder Komma > GZS (ausgeteilte Datenblätter, Sie können gerne schon mal beide anschauen).

4.6.      Fortsetzung Datenanalyse GKS und Abschluss. Dann Kommasetzung (7.6./14.6.). Danach GZS (vermutlich ab 21.06.).

            Die Datenblätter und Übungsblätter werden in der Sitzung ausgeteilt. Zugleich stehen hier alle Blätter, Übungen und (Ergebnis-)Übersichten zum Herunterladen bereit!

            Regelübersicht zur Großschreibung

24.5.    Daten zur Getrennt- und Zusammenschreibung

            Übungen zur Kommasetzung

-           Sitzung 24.5. Abschluss Divis. Dann: Groß- und Kleinschreibung

- 17.5.  Klassifikation der Divis-Schreibfälle (ein wenig weiterbearbeitet am 22.5.18)

- 13.05. Daten zur Groß- und Kleinschreibung (GKS)  Bearbeitung in der Sitzung vom 17.05.18

              Komprimierter Regeltext zum Bereich Groß- und Kleinschreibung

- 3.5. Am 17.5. runden wir unsere Arbeit mit dem Divis (Bindestrich) ab und diskutieren nach Ihrer Wahl ggf. noch über ein paar Beispiele von unserem Datenblatt und mögliche Verbesserungen an den Regel-Paragraphen (Zusammenfassung von Fallgruppen, Entzerrung von Fallgruppen etc.). Am Ende kann  gerne eine eigene Grobformulierung der linguistischen Divis-Regeln stehen, die vor allem die verschiedenen Wortdekodierungsprobleme (Wechsel der Codes, Wechsel Syntax-Morphologie, Wechsel markierter und unmarkierter Wortschatz, …) formulieren sollte, die zur Muss- oder Kann-Divissetzung führt.

Ich werde noch Daten zur Großschreibung vorbereiten (und hier online stellen) – unser nächstes Thema!

- 26.4. Zur vierten Sitzung:    Bitte zum 3.5. die Divis-Regeln (s. u.) und die Daten nach den genannten Fragestellungen ansehen (Regeln, Details etc. klären wir am 3.5.

- 26.4.  Dritte Sitzung:            Beispiele für schreibgrammatische Prozesse (phon > silb > morph > (> wort?) > synt) (wird evtl. verschoben und Divis vorgezogen)

                                               Erstes Thema: Divis

                                                           - Daten zum Divis (Welches Datum schreibt man wie und warum so? Warum sind manche Daten „falsch“? Welche linguistischen Regeln steuern die Schreibung?)

                                                           - Komprimierter Regeltext Fallgruppen  „Schreibung mit Bindestrich“

                                                              (Fragen: Muss- oder Kann-Regel? Welche Paragraphen/Fallgruppen kann man ggf. zusammenfassen und welche sind heterogen?)

                                               Ziel ist: Erarbeiten einer Skizze der derzeitigen „Divis-Grammatik“

Im Folgenden finden Sie Material/Themen, das/die wir im PS besprechen könnten, vor allem 4–12!

Wir können gerne auch von Schreibproblemen („Fehlern“) ausgehen, die Sie beobachtet/gesammelt haben.

Aufbau des deutschen Schriftsystems (Ebenen der Schreibung)

Gelb markiert: gewünschte PS-Themen

1   Graphetik 

-  Buchstabensegmente, z. B. Kopf <Ɩ> und Koda <ˉ> bei <t>?

2   Buchstabe

3   Graphem

- Graphographem, z. B. <quelle/duelle>, <dort/fort>

- Phonographem (Lautabbild), z. B. /d/ > <d>, /ʃ/ > <sch>, /i:/ > <ie>

4   Phonographisches Prinzip bzw. Phonem-Graphem-Korrespondenzen

- z. B. /man/ > <man>, /gry:n/ > <grün>

5   Graphotaktik

- besondere Graphemkombinationen, z. B. /i:/ > <ie> > *ienen, in Pron: ihnen

6   Graphematische Silbe und graphematisches Wort

- z. B. minimale Scheibsilbe: <Hen-*dl>, <*E-sel>, <Aa-le>, <Ei-er>, >Ru-i-ne>  [evtl. 6 + 7?]

- z. B. minimales Wort: ah, da, ei, in, zu; (vgl. à, Il a plu)  [evtl. zu 9?]

7   Silbische Schreibung (silbisches Prinzip)

- z. B. Silbengelenk: /kaə/ > (PGK) <kase> > (silb.) <kasse> > (syntakt.) <Kasse>

- z. B. silbeninitiales <h>: /'ze:.ən/ > (PGK) <seen> > (silb.) <sehen>

8   Morphologische Schreibung (morphologisches Prinzip)

            - z. B. Silbengelenkschreibung im Einsilbler: rennen > Rennbahn, können ® kann

            - z. B. silbeninitiales <h> im Einsilbler: (silb.) sehen > (morph.) seht

9    Wortschreibung

            - Zuammenschreibung (kleinschneiden/klein schneiden, mithilfe/mit Hilfe)    21.6. oder 28.6. und 5.7.?

            - Großschreibung (syntaktisches Prinzip): weil laut Vorschrift der Laut laut zu sein hat  

- Wortzeichen

Divis (wortgliederndes Divis: Ich-AG, Tee-Ei; Worttrennung am Zeilenende: led-rig)    

Apostroph (D’dorf; Carlos/CarlosTaverne); Abkürzungspunkt (Tel., *Tel.nr.,Tel.-Nr.)

10   Wortgruppenschreibung (syntaktisches Prinzip)

            - Getrenntschreibung bzw. Spatiensetzung (die Uni Halle, die Uni-Halle)   21.6. oder 28.6. und 5.7.?

            - Komma bei Phrasenkoordination: z. B. Kuno, ein Gitarrist(,) und Pia  [passt auch zu 11]   14.6., 21.6.   ()

11   Satzschreibung (Äußerungsschreibung)

            - Satzzeichen: Punkt, Semikolon, Komma  14.6., 21.6.  (), Doppelpunkt

12   Interpunktion (restliche, keiner Ebene eindeutig zuzuordnen)

            - Ausrufezeichen, Fragezeichen

- Anführungszeichen, Gedankenstrich, Klammern

13   Pragmatische Schreibung

                        - z. B. Wir fordern sie/Sie auf, … Evtl. auch StudentInnen, Student*innen

 - Materialien für unsere erste(n zwei) Sitzung(en)

 

 

2  Seminarablauf

Termine (12): 12.04., 19.04., 26.04, 03.05., 17.05., 24.05., 07.06., 14.06., 21.06., 28.06., 05.07., Klausur am 12.07.

- WICHTIGER TERMIN:  Abschlussklausur in der letzten Semesterwoche in der Sitzung
            Die Klausur prüft den im Proseminar anhand des VL-Textes erarbeiteten Stoff (also bitte die Abschnitte zu den im PS behandelten Phänomenen gut studieren)!

            und das Kapitel 8 Wortschreibung aus der Grammatik von Peter Eisenberg (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1 Das Wort. 4. Aufl.  (komplette Angabe siehe 3 Literaturhinweise)!

           

2.1  Die Arbeitsgrundlage für dieses PS:

Wir folgen im Wesentlichen dem Text meiner VL zum deutschen Schriftsystem.
Im Unterschied zur Vorlesung werden wir mehr problemorientiert arbeiten und mehr diskutieren! Es besteht keine Notwendigkeit, jeden Aspekt der VL im PS zu behandeln. Eine Schwerpunktlegung auf Aspekte, Schreibphänomene und -probleme, die Sie besonders interessieren, ist erwünscht (s. auch Auswahl oben)! Zu den bestimmten Schwerpunkten lesen Sie bitte (spätestens abschließend) den entsprechenden Abschnitt aus der Vorlesung: Im Seminar analysieren wir Beispiele und Problemfälle. Übungen und ggf. kleinere Literaturstrecken, die wir im Seminar dann besprechen, werden unter „Aktuelles“ angegeben  und ggf. online gestellt!
Zudem gehen wir, soweit Sie es wünschen, auf Teile des Regeltextes (s. 2.2) ein.

        Hier finden Sie meine VL Schriftsystem, zugleich Arbeitsgrundlage für dieses Proseminar.
        Die VL-Fassung entwickle ich immer wieder im Detail weiter. Daher könnte die aktuelle Version mit derjenigen zu Semesterbeginn nicht mehr im Detail übereinstimmen.

        Für die Abschlussprüfung spielt das aber keine Rolle.

Sie können gerne selbst Schreibungsprobleme und Zweifelsfälle in das PS einbringen bzw. mir per Mail senden, damit wir das in der passenden Sitzung aufgreifen und erörtern können!

2.2  Das aktuelle orthographische Regelwerk (ich zitiere es als Regeln 2018) finden Sie hier:

        Aktualisierte Fassung des amtlichen Regelwerks entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 2016. Mannheim 2018 

Der Download-Link verweist auf die Internetseite/n des „Rats für deutsche Rechtschreibung“. Es geht nicht darum, Details auswendig zu lernen, sondern vor allem „die großen Linien“ zu kennen, damit man sich ggf. neue Fälle ableiten kann (sofern es sich um regelhafte Fälle und keine Einzelfälle handelt).

2.3  Man findet hilfreiche Erläuterungen zu den orthographischen Regelungen in dem Duden-Band 9:

           - Duden (2016): Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 8., vollständig überarb. Aufl., hg. von Mathilde Henning. Berlin

           -  Canoo.net bietet eine Wörterbuchfunktion an, in der (ggf. alternative) Schreibungen angeführt werden; auf die einschlägigen Regeln wird verwiesen.

3  Literaturhinweise (ausführlicher am Ende meiner VL Schriftsystem, hier einige Überblicksdarstellungen)

- Bredel, Ursula (2011): Interpunktion. Heidelberg   (mit Übungsaufgaben)

- Dürscheid, Christa (2006). Einführung in die Schriftlinguistik. Grundlagen und Theorien. 3. Auflage. Göttingen    (mit Übungsaufgaben)

- Eisenberg, Peter (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1 Das Wort. 4. aktualisierte und überarb. Aufl. unter Mitarbeit v. Nanna Fuhrhop. Stuttgart; Weimar 

       (darin das Kapitel 8 Die Wortschreibung; mit Übungsaufgaben)

- Fuhrhop, Nanna (2009): Orthographie. 3., aktualisierte  Aufl. Heidelberg   (mit Übungsaufgaben)

- Fuhrhop, N. / Peters, J. (2013): Einführung in die Phonologie und Graphematik. Stuttgart; Weimar   (mit Übungsaufgaben)

- Nerius, Dieter (2007). Deutsche Orthographie. 4., neu bearb. Aufl. Hildesheim, Zürich, New York

- Ossner, Jakob (2010): Orthographie. Paderborn.

 

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