Webseite von PD Dr. Wolfgang Schindler

Proseminar: Grundzüge der Schreibgrammatik des Deutschen, Sommer 2018, Donnerstag 14 – 16 Uhr

 

Dieses Proseminar führt in die Grundlagen unserer Schreibgrammatik ein. Was eine Schreibgrammatik leistet, sehen Sie im Folgenden. Die Verschriftung einer gesprochenen Äußerung gebe ich in (1) in einer Form wieder, die einer Schreibtradition der römischen Antike (römische Capitalis und scriptio continua) nachempfunden ist. In (2) sehen Sie sie in ihrer aktuellen gegenwartssprachlichen Form:

(1) KENENSIDENAUSRUFAHDUGRUNENEUNEFRAGTEDERDOZENT

(2) „Kennen Sie den Ausruf ‚Ach, du grüne Neune!‘?“, fragte der Dozent.

(3) „Kennen Sie den Ausruf ‚Ach, du grüne Neune!‘?“, fragte der Dozent.

Die mit Rot markierten Stellen sind Ergebnisse unserer Schreibgrammatik. Zwei Fälle schneide ich kurz an: Das <K> wird produziert, weil der geschriebene Satz bzw. die geschriebene Äußerung mit der Großschreibung des ersten Buchstabens beginnt. Das zweite Komma erscheint, weil in einer subordinativen Verbindung zweier Sätze ein Komma gesetzt wird, das die beiden Valenzfürstentümer (von kennen und fragen) voneinander abgrenzt. Vor dem Komma wird nach links, nach dem Komma nach rechts integriert. Die Wirkung zeigt sich z. B. in Hans Schnee versprach nicht der Königin zu gehorchen, wo wir ohne Komma nicht wissen, was genau wohin zu integrieren ist (z. B. kenne wir ohne Komma den Bezugsbereich der Negation nicht)!

Nach einigen einführenden Betrachtungen zum Thema Schreibgrammatik werden wir uns ausgewählten Teilbereichen unserer Schreibgrammatik zuwenden. Ich werde Sie auch nach Ihren Interessen fragen. Prinzipiell kann alles aus meiner Schriftsystemvorlesung betrachtet werden (und falls Sie in dieser etwas vermissen, können wir ggf. auch das fehlende Thema besprechen), nur reicht ein Semester dazu nicht aus. Also werden wir auswählen.


1. Aktuelles

   

 

2  Seminarablauf

Termine (12): 12.04., 19.04., 26.04, 03.05., 17.05., 24.05., 07.06., 14.06., 21.06., 28.06., 05.07., Klausur am 12.07.

- WICHTIGER TERMIN:  Abschlussklausur in der letzten Semesterwoche in der Sitzung
            Die Klausur prüft den im Proseminar anhand des VL-Textes erarbeiteten Stoff (also bitte die Abschnitte zu den im PS behandelten Phänomenen gut studieren)!

            und das Kapitel 8 Wortschreibung aus der Grammatik von Peter Eisenberg (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1 Das Wort. 4. Aufl.  (komplette Angabe siehe 3 Literaturhinweise)!

           

2.1  Die Arbeitsgrundlage für dieses PS:

Wir folgen im Wesentlichen dem Text meiner VL zum deutschen Schriftsystem.
Im Unterschied zur Vorlesung werden wir mehr problemorientiert arbeiten und mehr diskutieren! Es besteht keine Notwendigkeit, jeden Aspekt der VL im PS zu behandeln. Eine Schwerpunktlegung auf Aspekte, Schreibphänomene und -probleme, die Sie besonders interessieren, ist erwünscht! Zu den bestimmten Schwerpunkten lesen Sie bitte den entsprechenden Abschnitt aus der Vorlesung: Im Seminar analysieren wir Beispiele und Problemfälle. Übungen und ggf. kleinere Literaturstrecken, die wir im Seminar dann besprechen, werden unter „Aktuelles“ angegeben  und ggf. online gestellt!
Zudem gehen wir, soweit Sie es wünschen, auf Teile des Regeltextes (s. 2.2) ein.

        Hier finden Sie meine VL Schriftsystem, zugleich Arbeitsgrundlage für dieses Proseminar.
        Die VL-Fassung entwickle ich immer wieder im Detail weiter. Daher könnte die aktuelle Version mit derjenigen zu Semesterbeginn nicht mehr im Detail übereinstimmen.

        Für die Abschlussprüfung spielt das aber keine Rolle.

Sie können gerne selbst Schreibungsprobleme und Zweifelsfälle in das PS einbringen bzw. mir per Mail senden, damit wir das in der passenden Sitzung aufgreifen und erörtern können!

2.2  Das aktuelle orthographische Regelwerk (ich zitiere es als Regeln 2018) finden Sie hier:

        Aktualisierte Fassung des amtlichen Regelwerks entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 2016. Mannheim 2018 

Der Download-Link verweist auf die Internetseite/n des „Rats für deutsche Rechtschreibung“. Es geht nicht darum, Details auswendig zu lernen, sondern vor allem „die großen Linien“ zu kennen, damit man sich ggf. neue Fälle ableiten kann (sofern es sich um regelhafte Fälle und keine Einzelfälle handelt).

2.3  Man findet hilfreiche Erläuterungen zu den orthographischen Regelungen in dem Duden-Band 9:

           - Duden (2016): Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 8., vollständig überarb. Aufl., hg. von Mathilde Henning. Berlin

           -  Canoo.net bietet eine Wörterbuchfunktion an, in der (ggf. alternative) Schreibungen angeführt werden; auf die einschlägigen Regeln wird verwiesen.

3  Literaturhinweise (ausführlicher am Ende meiner VL Schriftsystem, hier einige Überblicksdarstellungen)

- Bredel, Ursula (2011): Interpunktion. Heidelberg   (mit Übungsaufgaben)

Dürscheid, Christa (2006). Einführung in die Schriftlinguistik. Grundlagen und Theorien. 3. Auflage. Göttingen    (mit Übungsaufgaben)

- Eisenberg, Peter (2013): Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1 Das Wort. 4. aktualisierte und überarb. Aufl. unter Mitarbeit v. Nanna Fuhrhop. Stuttgart; Weimar 

       (darin das Kapitel 8 Die Wortschreibung; mit Übungsaufgaben)

- Fuhrhop, Nanna (2009): Orthographie. 3., aktualisierte  Aufl. Heidelberg   (mit Übungsaufgaben)

- Fuhrhop, N. / Peters, J. (2013): Einführung in die Phonologie und Graphematik. Stuttgart; Weimar   (mit Übungsaufgaben)

- Nerius, Dieter (2007). Deutsche Orthographie. 4., neu bearb. Aufl. Hildesheim, Zürich, New York

- Ossner, Jakob (2010): Orthographie. Paderborn.

 

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