Webseite von PD Dr. Wolfgang Schindler 

Proseminar: Morphologie

Sommer 2020. Montag 14 – 16 Uhr.  Raum: 303 RG, Schellingstr. 3

 

 

Der Werwolf (von Christian Morgenstern, 1871-1914)

Ein Werwolf eines Nachts entwich / von Weib und Kind und sich begab / an eines Dorfschullehrers Grab / und bat ihn: „Bitte beuge mich!“

Der Dorfschulmeister stieg hinauf / auf seines Blechschilds Messingknauf / und sprach zum Wolf, der seine Pfoten / geduldig kreuzte vor dem Toten:

„Der Werwolf”, sprach der gute Mann, / „des Weswolfs, Genitiv sodann, / dem Wemwolf, Dativ, wie man’s nennt, / den Wenwolf, damit hat’s ein End.”

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle, / er rollte seine Augenbälle. / „Indessen”, bat er, „füge doch / zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!”

Der Dorfschulmeister aber musste / gestehn, dass er von ihr nichts wusste. / Zwar Wölfe gäb’s in großer Schar, / doch „Wer” gäb’s nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind – / er hatte ja doch Weib und Kind!! / Doch da er kein Gelehrter eben, / so schied er dankend und ergeben.

 

Die Morphologie untersucht und beschreibt den Aufbau von Wortformen wie Fisch-e-n (fisch-PL-DAT). Das morphologische System des Deutschen ist komplex und kennt nicht nur konkatenative (Amsel-n), sondern auch nicht-konkatenative Verfahren (z. B. die Mutation in Brüder = bruder.PL). Zudem sind die Bildungswege im Deutschen nicht immer direkt (vgl. direkt: *Katze-chen (katze-DIM), indirekt: Kätzchen).

Zur Sprache kommen neben den Morphemsubklassen v. a. die morphologischen Mittel, Wortstrukturen und deren Darstellung sowie semantische Aspekte. Wir werden uns die Flexion (warum im Plural "Schirm-e", aber "Form-en" und warum "MO.tor", aber "mo.TO.ren"?), vor allem aber die Wortbildung (warum "HOCH.was.ser.bil.der", aber "Un.ter.WAS.ser.bil.der"?) ansehen. Falls am Ende noch Zeit übrig wäre, würden wir uns dem morphologischen Wandel zuwenden.

 

Prüfung: Klausur

 

 

1  Aktuelles

 

 

2  Allgemeines

            Termine (12): 27.04., 04.05., 11.05., 18.05., 25.05., 08.06., 15.06., 22.06., 29.06., 06.07., 13.07., 20.07. Abschlussklausur

 

3  Arbeitsmaterialien

    Das Seminarhandout „Morphologie“ (pdf)  

    Übungsklausuren:   
         -
Morphologie-Klausur Sommer 2010 
         - Lösungsskizze zur Klausur Sommer 2010 
         - Übungsklausur WS 10/11 mit Lösungsskizze

         So ungefähr sollte eine morphologische Aufgabenlösung in einer Prüfung (Staatsexamen z. B.) aussehen. Klicken!

 

4  Folgende Internetquellen könnten von Nutzen sein:

    - Das IdS Mannheim bietet Nachschlagemöglichkeiten für grammatische Termini und Wortbausteine (z.B. Affixe) unter http://hypermedia.ids-mannheim.de/grammis/

    - Ich verwende zur Darstellung der Zusammensetzung von Wortformen gelegentlich die Leipzig Glossing Rules.

    - Zur Wortgrammatik und Wortbildung (aber mit bisweilen kontroversen Analysen) bietet auch die Webseite http://www.canoo.net/ Informationen

 

_________________________________________________________________________________________

Navigation: Startseite / Lehre / Büro / Charakteristik / Infos / Kommissionen / Links / Prüfungen / Schriften