Webseite von PD Dr. Wolfgang Schindler 

Proseminar "Konstituenz, Dependenz, Präzedenz", Sommer 2017, Di. 14 – 16, S3/E 054

 

 

1  Aktuelles

            Lösungsskizze zur syntaktischen Analyse (23., 30.5.)

- Plan für 23.5. und 30.5.: Wir erarbeiten eine komplette syntaktische Analyse (mit Gesichtspunkten der Konstituenz) und werden erst dann die Dependenz erarbeiten!

- (23.05) Handout Syntaktische Analyse (Pyrrha) - Text und Analyseschritte

- (16.5.) Ich habe vor, am 23.5. das Konzept Konstituenz vorläufig „abzurunden“ und dann das Konzept Dependenz mit Ihnen zu erarbeiten und auf Beispiele anzuwenden.

               Lektüre im Handout bis 23.5. (und dann ggf. Besprechung unklarer Dinge): Kap. 2 (S. 1) mit Kap. 4 (S. 7)!

               Ergänzte Fassung vom 18.5.: Lösungsskizzen zu den Übungssätzen (Sitzungen 9.5., 16.5.)  

- (11.5.) Am 16.5. besprechen wir die Übungssätze zum Thema Konstituenz, Konstituententests etc. weiter. Die Lösungsskizzen stelle ich online, wenn wir die Beispiele besprochen haben.

- (4.5.) Handout Übung zur Konstituenz mit Lösungshinweisen zum ersten Satz!

        Wir besprechen das ausgeteilte Übungsblatt zur Konstituenz am 9.5. Bitte testen Sie: Verschieben, Erfragen, Ersetzen (wo es geht)! Achten Sie auf:

         Veränderungen der Satzbedeutung bei manchen Testschritten! Markieren Sie die ermittelten Konstituenten!

        Notieren Sie sich bitte Probleme beim Lösen sowie Fragen und Schwierigkeiten!

 

2  Zum Seminar

   PS-Handout: Handout Proseminar Konstituenz, Dependenz, Präzedenz       Eine Druckfassung teile ich im Seminar aus.

   Das Handout ist vermutlich zu umfangreich und auch thematisch werden wir nicht alles betrachten (können). Gerade im Bereich Dependenz ist es detailreich, wir müssen das nicht alles im detail durcharbeiten. Wichtig wird die Vermittlung der drei Konzepte sein und deren Nützlichkeit für syntaktische Analysen! Wie wir genau vorgehen, besprechen wir in der ersten Sitzung!

   Lassen Sie sich nicht abschrecken, es wird weniger technisch, als es aussieht, und wir werden auch an konkrete Beispiele herangehen, nachdem wir die drei Grundbegriffe besprochen haben!

Dieses PS widmet sich einigen wesentlichen Aspekten der syntaktischen Struktur bzw. der Theorie bezüglich syntaktischer Strukturen.

„Präzedenz“ ist ein Arbeitsbegriff, der eine strukturrelevante topologische Beziehung erfassen soll. Sie spielt etwa bei Abfolgen eine Rolle: Wie ist die Serialisierung von Kopf und Komplementen/Adjunkten? Vgl. Pia hat [einen Geist gesehen] (Verbkomplement/AKKO geht seinem verbalen Kopf voraus, NP > V) und engl. Pia has [seen a ghost] (V > NP). Vgl. auch in München (Kopf > Komplement) und jap. „München in“ (Kopf zuletzt).

„Konstituenz“ beschreibt Teil-Ganzes-Beziehungen. Sie kennen Konstituententests wie die Topikalisierung oder die Substitution: Gestern hat [Pias Nachbar] [freundliche Gespenster] gesehen > Pias Nachbar hat gestern freundliche Gespenster gesehen bzw. > Freundliche Gespenster hat Pias Nachbar gestern gesehen bzw. Gestern hat [er] [sie] gesehen. Wörter, die in der Beziehung der Konstituenz stehen, zeichnen sich in der Regel durch eine größere interne Kohäsion aus als die Kohäsion bzgl. weiterer Satzelemente. In NPs wie freundliche Gespenster ist das z. B. die Kongruenz von Adjektiv und NP-Kopfsubstantiv; zu gestern z. B. unterhält das AKKO keine engeren Beziehungen.

„Dependenz“ ist eine Relation, die zuerst recht einfach erscheint. Doch bei genauerem Hinsehen ist der Dependenzbegriff gar nicht so eindeutig. Ist z. B. in das freundliche Gespenst das adnominale Adjektiv direktes Dependens des Substantivs oder des Artikels? Manche sehen die Dependenz (ich bilde das linear ab) so: N (Regens) –> ART –> ADJ (warum „so“? Weil das Adj artikelbeeinflusst flektiert, vgl. ein freundlich-es Gespenst), bei anderen hängen Art und Adj von N ab (Art <--  N (Regens) –> Adj), und diese Sicht teile ich, jene nicht. Wir werden einen dezidiert syntaktisch orientierten Dependenzbegriff studieren und uns zu eigen machen. Alternativen werden selbstverständlich gerne diskutiert!

Wir werden zusammen an und mit diesen Theoriebegriffen arbeiten. Vor allem soll auch vermittelt werden, was unsere drei Konzepte für eine syntaktische Analyse leisten können. Ich hoffe (als Lernziel), dass sich nach diesem Seminar selbst komplexe Sätze wie der folgende (wo ist der hierarchisch höchste Satz?) als Scheinungeheuer herausstellen.

1         Im magischen, mythischen West Point, wo es ihm an jenem Tag schien, als wäre in jedem Quadratzentimeter der am Fahnenmast flatternden Fahne mehr von Amerika als in

2         jeder anderen Fahne, die er je gesehen hatte, und wo die eisernen Gesichter der Kadetten für ihn erfüllt waren von einer überwältigenden heroischen Bedeutung, selbst hier, im pa-

3         triotischen Mittelpunkt, im Mark des unzerbrechlichen Rückgrats seines Landes, wo die Phantasien eines Sechzehnjährigen deckungsgleich waren mit den offiziellen Phantasien,

4         wo alles, was er sah, ihn mit einer ekstatischen Liebe nicht nur zu sich selbst, sondern zu allem, was er sah, beseelte, als wäre die ganze Natur eine Manifestation seines eigenen

5         Lebens – als wären die Sonne, der Himmel, die Berge, der Fluß, die Bäume nichts anderes als ein millionenfach vergrößerter Coleman Brutus „Silky“ Silk –, selbst hier kannte

6         niemand sein Geheimnis, und so ging er in die erste Runde und boxte nicht wie Mac Machrones ungeschlagener Konterboxer, sondern schlug mit aller Kraft zu. [Philip Roth: Der menschliche Makel]

 

3  Termine (13): 25.4., 2.5., 9.5., 16.5., 23.5., 30.5., 13.6., 20.6., 27.6., 4.7., 11.7., 18.7., 25.7. Abschlussklausur

 

4  Literatur (wird noch erweitert)

 

- Mel’cuk, Igor (1988): Dependency Syntax: Theory and Practice, Albany, N.Y.: The SUNY Press.

- Mel’cuk, Igor: Dependency in Linguistic Description. Online: http://olst.ling.umontreal.ca/pdf/Dependency.pdf, vgl. Polguère & Mel’cuk (2009)!

- Polguère, Alain & Mel’cuk, Igor (2009): Dependency in Linguistic Description. John Benjamins

- Vennemann, Theo (1977): Konstituenz und Dependenz in einigen neueren Grammatiktheorien. In: Sprachwissenschaft 2, 259-301.

 

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