Webseite von PD Dr. Wolfgang Schindler

Hauptseminar: Phraseologie           

Sommer 2020, Donnerstag 16 – 18 Uhr in Schellingstr. 3 Rückgebäude, 209

 

Ich steh auf Messers Schneide                                               Und wie’s mich juckt, so kommen
knietief in der Kreide                                                              die Felle angeschwommen
als fünftes Rad am Wagen                                                     mit Zähnen auf den Haaren,
und will ein Schnippchen schlagen.                                       die noch voll Suppe waren.
Auf dem Zahnfleisch krieche                                                  Kaum hab ich so ’nen blassen Dunst
ich in Teufels Küche.                                                               der Tuten- und der Blasenkunst,
Der Teufel malt mich an die Wand                                        da beißt die Maus den Faden ab,
und legt mir Feuer an die Hand.                                            der ich den Marsch geblasen hab!
Ich sauf im Sitzen Tinte,
werf Korn in meine Flinte,                                                     
"Rede-Wendungen", Gedicht von Kito Lorenc
streu Puder auf mein Haupt und jag
die Katze aus dem Klammersack.

Phraseologie ist allerdings noch viel mehr! Phraseologie ist nicht selten unauffällig: Zähne putzen, Tisch decken, in Wut geraten, So jung kommen wir nicht mehr zusammen etc.

Wir sitzen in der Sonne, aber sitzen wir auch in dem Mond/im Mond?

Dieses HS widmet sich unter anderem: Charakteristika von Phraseologismen, Klassifikationsmöglichkeiten, den interessanten Eigenheiten ausgesuchter Teilklassen (z. B. warum sich recken und strecken anstelle sich strecken und recken?), theoretischen Fundierungen und Modellierungsversuchen sowie psycholinguistischen und anderen interdisziplinären Aspekten.

 

 

1  Aktuelles

 

 

2  Generelles

- Melden Sie sich bitte im LSF für dieses HS an. Wählen Sie aus der Themenliste unten zwei Themen aus, priorisieren Sie diese (z. B.: 1. GKS, 2. Komma) und senden Sie mir eine E-Mail mit Ihrer Wahl!

   Bitte lesen Sie dazu die allgemeinen und speziell für Ihr Thema relevanten Ausführungen unserem HS-Handout (Download unter Punkt 2)!

- In die Themen arbeiten wir uns ein mithilfe (i) Ihrer Referatsbeiträge und/oder (ii) ggf. vorbereitender Lektüre von Fachliteratur. In der thematischen Sitzung diskutieren wir dann über die Themen.

      Wichtig: Im HS-Handout finden Sie Näheres dazu, wie ich mir die Sitzungsgestaltung (Möglichkeiten) vorstelle. Eigene Ideen sind aber auch gerne gesehen!

- Daher meine Bitte: In der Regel werden wir zwei Referate pro Sitzung haben (ab und zu auch nur eines), wobei Ihr Referat ca. 20-25 Min. umfassen sollte und ca. 20-25 Min. Zeit für das Gespräch bleiben sollte.

- Ich lege Wert auf lebendige Sitzungen, d. h. ich werde mich mit Fragen einmischen, Sie hoffentlich auch!

- Sollte irgendetwas auf dieser Seite bzw. am HS-Konzept nicht klar sein, dann fragen Sie bitte zurück!

WICHTIG:     1. Bitte halten Sie mit mir eine Vorbesprechung Ihres Seminarbeitrags (üblich: persönliches Gespräch, zur Not: per Mail)!

2. Ich möchte Ihr Seminarhandout (bzw. eine Vorab-Version) ein paar Tage vor Termin ansehen (geht auch per Mail)!

3. Halten Sie bitte mit mir eine Vorbesprechung Ihrer schriftlichen Hausarbeit! (Bitte das Hauptseminarinfoblatt beachten, s. Punkt 3!)

 

3  Das Handout mit Themen und Referatthemen:  Handout zum HS Probleme der Phraseologie     In Vorbereitung – erscheint ca. Anfang/Mitte März!        

          Das Handout und die Hinweise unten dienen nur der Anregung. Ich will das im Referat nicht genau so hören wie skizziert! Seien Sie eigenständig!

          Bitte aufmerksam lesen! Bitte teilen Sie mir bald mit: zwei Referatthemen mit Priorisierung (z. B. 1. Zwillingsformeln, 2. Pawley & Syder 1983)!

          Unten rot markierte Themen sind vergeben!

          Die restliche Themenvergabe regeln wir ggf. in der ersten Sitzung (Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss sehen, was übrig bleibt)!

4  Anforderungen für den Leistungsnachweis: Mitmachen, mitdiskutieren und schriftliche Hausarbeit (Hauptseminararbeit)

Bitte beachten Sie die Zeichenzahlangaben Ihres Studienganges für die Hausarbeit! (In etwa Zeichenzahl : 2000 = Seitenzahl, z. B. 40.000/2.000 = ca. 20 Seiten reiner Text.)

Zum Thema Seminararbeit: Bitte beachten Sie mein Informationsblatt!  Beachten Sie bitte auch die für Ihren Studiengang vorgeschriebene Zeichenzahl (im LSF)!

Ihre Hauptseminar-Hausarbeit kann sich mit Ihrem Vortragsthema befassen. Sie können in der Hausarbeit aber auch ein anderes Thema behandeln (Absprache mit mir)!

- Abgabetermin für Arbeiten vor (!) dem Abschlusssemester: Zusendung Dateifassung spätestens bis Montag, den 28. September 2020, 12:00!

- Abgabetermin für Arbeiten im (!) Abschlusssemester: Zusendung Dateifassung spätestens bis Montag, den 24. August 2020, 12:00!

   WICHTIG:  Bitte reichen Sie die Dateifassung Ihrer Hausarbeit per E-Mail nach Möglichkeit in einem der folgenden Formate ein: .doc, .docx, .pdf!

Wichtig! Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist ausschließlich die für Sie maßgebliche Prüfungs- und Studienordnung in der gültigen Fassung.

- Für alle, die Beratung bzw. Anleitung bei der Abfassung schriftlicher wissenschaftlicher (Haus-)Arbeiten benötigen, empfehle ich die Kontaktaufnahme mit dem Schreibzentrum der Fakultät:

              http://www.sprach-und-literaturwissenschaften.uni-muenchen.de/studium/schreibzentrum/index.html

 

 

5  Seminar-/Vortragsthemen und Terminplan

Literaturhinweise finden Sie u. a. in meinem Compu-Skript Phraseologie, in dieser Bibliographie, bei EUROPHRAS und ggf. bei Dr. Google.

5.1  Übersicht über mögliche Seminarthemen (wird ggf. bis Ende Mitte März 20 aktualisiert)

Block 1: Phraseologismen: Definitionen, Eigenschaften und Gegenstandsbereich

1.1  Phraseologizitätseigenschaften: Welche Kriterien definieren Phraseologismen? Bilden Phraseme eine Alles-oder-nichts-Kategorie oder etwas anderes?

1.2  Grobgliederungen und Einteilungsaspekte des Gegenstandsbereichs (z. B. Gläser 1986, Burger 2007)

Block 2: Bedeutung und Begründung der Phraseologie bzw. Idiomatik

2.1  Andrew Pawley & Frances H. Syder (1983): "nativelike selection" und "nativelike fluency", "memorized sentences" und "lexicalized sentence stems”

2.2  Grundlegung der Phraseologie und Einteilungsaspekte bei Igor Mel´cuk (explanatory  combinatorial dictionary, meaning text-theory) und Kollegen, z. B. in Mel’cuk 2012 

2.3  Dmitrij Dobrovol´skij: Kognitive Aspekte der Idiom-Semantik (2. Aufl. 2016). Evtl. Idiome im mentalen Lexikon (1997) etc.

2.4  Helmuth  Feilke: „Common sense-Kompetenz“ (1994) und „Sprache als soziale Gestalt“ (1996). S. auch Feilke 1993.

Block 3: Phraseologische Teilklassen

3.1  Kollokation (Zähne putzen, Tisch decken, Rede halten, …)

3.2  Funktionsverbgefüge (in Verlegenheit geraten, bringen, …)

3.3  Binomiale (Hinz und Kunz), Paarformel, Zwillingsformel, dazu Müller 1997 und Müller (Präs.), Trinomiale (Lirum, Larum, Löffelstiel, Götter, Gräber und Gelehrte)

3.4  Routineformeln (Wohl bekomm’s)

3.5  Formelhafte Texte (z. B. Stein (1995),  Dausendschön-Gay et al. (2007) in HSK 28.1, Beitrag 41)

Block 4: Phraseologische Erscheinungen

4.1  Syntaktische Anomalien, transformationelle Defektivität

     4.2  - (i) Phraseologie und Konstruktionsgrammatik (CxG meets phraseology, Dobrovol’skij, D. (2011): „Phraseologie und Konstruktionsgrammatik.“ In: A. Lasch & A. Ziem (Hgg.),

        Konstruktionsgrammatik III. Aktuelle Fragen und Lösungsansätze.Tübingen, 110-130)

-  (ii) Phraseoschablonen: z. B. Wie Adj (geil/uncool/…) ist DAS denn? oder (Du) und (ein Beatles-Fan)?, (Der Kunibert) und (musikalisch)?

4.3  Bedeutungserweiterung. Fallstudie ins Gras beißen von Stathi (2006). Fallstudie zu die Hosen anhaben von Ettinger (2009)

Block 5: Phraseologie thematisch und Phraseologie interdisziplinär

5.1  Phraseologie & Körper (Somatismen, Kinegramme, Phraseogesten, Info Phras. & Körper WS)

5.2 Phraseologie & Gender (z. B.: Phraseme und zeit-/kulturspezifische Genderstereotype, Info Phras. & Gender WS)

5.3  Kognitive Linguistik, Psycholinguistik, z. B. Dobrovol’skij 2007, Gibbs 2007, Häcki-Buhofer 2007: alle in HSK 28.2. Dobrovol’skij & Piirainen 2009

5.4  Neurolinguistik, Patholinguistik, z. B. Diana van Lancker (z. B. 1987, 1993, gerne auch andere), van Lancker Sidtis/Garidis (2008), van Lancker Sidtis/Canterucci/Katsnelson (2008),

evtl. Christen (1995). Wie (und wo) werden Phraseme im Gehirn verarbeitet? Phraseologie = rechtshemisphärisch? Evidenz aus Neuro-/Patholinguistik.

5.5  Kultursemiotik: Dobrovol'skij & Piirainen (1997), Sabban 2007. Evtl. Dobrovol’skij & Piirainen 2009 (Zur Theorie der Phr.)

             Z. B.: Warum ist HUND bei den Deutschen positiv besetzt (treuer Freund etc.), aber nicht in dt. Phrasemen (auf den Hund kommen, leben (müssen) wie ein Hund)?

5.6  Cross-linguistic Phraseology (z. B. J.-P. Colson 2008). Dobrovol’skij & Piirainen 2005. Phraseme in allen Sprachen? Unterschiede bei kontinentalen vs. maritimen Sprachen? Phraseologische Universale? Welche Phrasemtypen sind sprachübergreifend relevant?

5.7  Phraseologismen in der Werbung (z. B. Vesalainen 2007, ggf. die Beiträge 21 und 22 in: HSK 28.1. Dittgen 1989, Hemmi 1994, Lange 1998, Lenz 1998, Sabban 1998 u. 2012)

            Warum sind Phraseme in der Werbung beliebt? Wie funktionieren sie da?

5.2  HS-Termine

01        23.04.20         Einführendes und Organisatorisches

02        30.04.20         Beginn der Referate

03        07.05.20        

04        14.05.20        

05        28.05.20        

06        04.06.20        

07        18.06.20        

08        25.06.20        

09        02.07.20        

10        16.07.20        

11        23.07.20        

 

6  Downloads, Materialien

- Lapinskas, Saulius (2013): Zu ausgewählten theoretischen Problemen der deutschen Phraseologie. Ein Lehrbuch für Studierende der Germanistik. Univ. Vilnius.

-  "Lexikalischen Funktionen"(LF) = Ausführungen zu Mel'cuks LF von W. S., mit vielen LF-Beispielen (LF = zentraler Bestandteil von Igor Mel'cuks "dream lexicon")

- Mel'cuk, Igor A. (1993): The future of the lexicon in linguistic description and the explanatory combinatorial dictionary. In: Lee I.-H. (ed.), Linguistics in the morning calm, 

        3. Linguistic Society of Korea, Seoul, pp 181–270 (...) (pdf)

- Mel'cuk, Igor A.: meaning-text model (MTM) bzw. -theory (MTT) (pdf)

- Melčuk, I. (1995) Phrasemes in Language and Phraseology in Linguistics. In: M. Everaert, E.-J. van der Linden, A. Schenk and R. Schreuder (eds), Idioms. Structural and Psychological Perspectives,

        Hillsdale, N.J. Hove: Lawrence Erlbaum Associates, 167-232. (pdf)

- Mel'cuk, Igor A.: Explanatory Combinatorial Dictionary (ECD) (pdf)

- Online-Lexikon zur diachronen Phraseologie (Leitung Prof. Dr. Annelies Häcki-Buhofer, U Basel et al.)

- Pawley, A., & Syder, F. H. (1983). Two puzzles for linguistic theory: Nativelike selection and nativelike fluency. In: Richards, J.C. & Schmidt, R.W. (eds.), Language and communication, 191–226

- Phraseologie-Tutorial/Online-Vorlesung mit Prof. Dr. Elmar Schafroth (HHU Düsseldorf) zu Themen der Phraseologie

- Schindler, Wolfgang: Meine Habilitationsschrift zum Thema Phraseologie (Wolfgang Schindler, 1996, unveröffentlicht)

- Stumpf, Sören (2015): Formelhafte (Ir-)Regularitäten. Frankfurt/M. u. a. Onlineversion hier klicken.

- Compu-Skript zur Phraseologie von W. S.